Was die Auswertung zeigt
Nach Angaben der HUK Coburg wechseln Versicherte bei einem Fahrzeugwechsel überdurchschnittlich häufig zu einem Elektroauto. Bemerkenswert ist dabei, dass dieser Trend nicht mehr nur Zweit- oder Stadtfahrzeuge betrifft: Auch private Vielfahrer, also Kundengruppen mit hoher Jahresfahrleistung, entscheiden sich zunehmend für batterieelektrische Modelle. Das deutet auf eine Normalisierung der E-Mobilität im Bestandsmarkt hin – weg vom reinen Nischensegment, hin zu einem relevanten Anteil im täglichen Schadengeschäft.
Relevanz für Kfz-Sachverständige
Mit steigendem E-Auto-Anteil im Versichertenbestand wächst zwangsläufig auch die Zahl der Schadengutachten an Hochvolt-Fahrzeugen. Das betrifft insbesondere:
- die Beurteilung von Batterie- und HV-Komponentenschäden nach Unfällen,
- die Bewertung von Restwerten unter Berücksichtigung des Batteriezustands (State of Health),
- die Einschätzung wirtschaftlicher Totalschäden, bei denen Reparaturkosten im Verhältnis zu § 249 BGB und dem Wiederbeschaffungswert zu prüfen sind.
Gerade bei Vielfahrer-Fahrzeugen mit hoher Laufleistung stellt sich die Frage nach dem Alterungszustand der Traktionsbatterie zunehmend praxisrelevant – ein Aspekt, der in der klassischen Gutachtenpraxis bislang eine untergeordnete Rolle spielte.
Relevanz für Werkstätten
Werkstätten stehen vor der Notwendigkeit, HV-Qualifikationen (nach DGUV-Vorgaben) auszubauen, um Instandsetzungen an E-Fahrzeugen fachgerecht und normkonform durchführen zu können. Wer im Servicebereich auf den wachsenden E-Auto-Bestand nicht vorbereitet ist, riskiert Auftragsverluste an spezialisierte Betriebe. Auch die Ersatzteilversorgung und die Kalkulation von Standzeiten unterscheiden sich bei HV-Fahrzeugen teils erheblich von Verbrennerreparaturen.
Relevanz für Versicherer und Makler
Für Versicherer verschiebt sich mit dem steigenden E-Auto-Anteil das Risikoprofil im Bestand: Reparaturkosten, Ersatzteilpreise und die Schadenhäufigkeit bei HV-Komponenten wirken sich unmittelbar auf Tarifkalkulationen aus. Für Versicherungsmakler bedeutet das eine wachsende Beratungsrelevanz rund um Kaskodeckungen, insbesondere im Hinblick auf Batteriegarantien, Leasingrückgaben und die Bewertung von E-Fahrzeugen im Schadenfall.
Ausblick
Sollte sich der von der HUK Coburg beobachtete Trend fortsetzen, ist mittelfristig mit einer spürbaren Verschiebung der Schadenlandschaft zu rechnen. Sachverständige, Werkstätten und Versicherer, die frühzeitig in Know-how und Prozesse für die E-Mobilität investieren, dürften hiervon strukturell profitieren.
Häufige Fragen
Warum wechseln zunehmend auch Vielfahrer zum Elektroauto? Die Auswertung der HUK Coburg nennt hierzu keine Detailgründe, dokumentiert aber den Trend als Beobachtung im Versichertenbestand. Naheliegend sind verbesserte Reichweiten und ein wachsendes Modellangebot in verschiedenen Fahrzeugklassen.
Welche Folgen hat der steigende E-Auto-Anteil für die Schadenkalkulation? Reparaturkosten und Restwertbewertung müssen den Zustand der Traktionsbatterie stärker berücksichtigen. Bei der Prüfung wirtschaftlicher Totalschäden bleibt § 249 BGB der maßgebliche rechtliche Rahmen.
Müssen Werkstätten für E-Auto-Reparaturen besonders qualifiziert sein? Ja, Arbeiten an Hochvolt-Systemen erfordern entsprechende Fachkundenachweise nach den einschlägigen DGUV-Vorgaben.
Wirkt sich der Trend auf Kaskoprämien aus? Ein wachsender E-Auto-Anteil im Bestand kann Risikoeinschätzungen und damit langfristig auch Tarifkalkulationen der Versicherer beeinflussen.
Quelle: kfz-betrieb.vogel.de
Dieser Beitrag ist allgemeine Fachinformation und keine Rechtsberatung.
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