Hinterbliebenengeld nach § 844 Abs. 3 BGB
Auch bekannt als
§ 844 Abs. 3 BGB · Pauschal-Entschädigung Hinterbliebene · Trauer-Entschädigung · Hinterbliebenen-Schmerzensgeld
In einem Satz erklärt
Hinterbliebenengeld ist eine pauschale Geldentschädigung naher Angehöriger für den seelischen Verlust eines Familienmitglieds bei tödlichem Unfall — unabhängig von eigener medizinischer Erkrankung.
In drei Sätzen erklärt
Mit dem Gesetz zur Einführung eines Hinterbliebenengeldes (2017) wurde § 844 Abs. 3 BGB geschaffen — er gewährt nahen Angehörigen bei tödlichen Verkehrsunfällen eine pauschale Entschädigung für ihr seelisches Leid, ohne dass eine eigene Erkrankung mit Krankheitswert nachgewiesen werden muss. Damit füllt der Gesetzgeber die Lücke zwischen normalem Trauern (kein juristischer Anspruch) und Schockschaden (eigene psychische Erkrankung erforderlich) — die Anerkennung des Verlustes ist auch ohne ärztliche Diagnose möglich. Gerichtliche Spannen haben sich auf 5.000–15.000 € pro nahem Angehörigen eingependelt; bei besonders enger Beziehung (z. B. junge Eltern eines getöteten Kindes) auch höher.
Die fünf Schlüsselzahlen
- § 844 Abs. 3 BGB als Anspruchsgrundlage
- 2017 Einführung des Hinterbliebenengeldes
- 5.000–15.000 € typische Gerichts-Spanne pro Angehörigem
- Pauschal — keine medizinische Diagnose erforderlich
- Parallel zum Schockschaden geltend zu machen
Wer Hinterbliebenengeld bekommt
§ 844 Abs. 3 BGB nennt:
- Ehepartner / eingetragene:r Lebenspartner:in
- Eltern und Kinder
- In Einzelfällen erweitert auf andere nahe Angehörige durch Gerichts-Wertung (Geschwister, Verlobte, langjährige Lebensgefährten)
→ Nicht jeder Verwandte ist automatisch Hinterbliebener im Sinne des Gesetzes — entscheidend ist die enge persönliche Beziehung.
Höhe — die gerichtliche Spruchpraxis
| Konstellation | Spanne |
|---|---|
| Verlust eines erwachsenen Familienmitglieds (Standard) | 5.000 – 10.000 € |
| Verlust junger Eltern durch Kind / junge Ehepartner | 10.000 – 15.000 € |
| Verlust eines minderjährigen Kindes | 12.000 – 20.000 € |
| Besonders dramatische Umstände (z. B. Miterleben) | bis 25.000 € |
→ Werte orientiert an Hacks/Wellner und gerichtlicher Praxis. Bei Klage entscheidet das Gericht im Einzelfall.
Hinterbliebenengeld vs. Schockschaden — Unterschiede und Parallelität
| Aspekt | Hinterbliebenengeld | Schockschaden |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 844 Abs. 3 BGB | § 823 BGB |
| Voraussetzung | Naher Angehöriger + tödlicher Unfall | Naher Angehöriger + eigene Erkrankung |
| Erkrankung erforderlich | Nein | Ja (Krankheitswert) |
| Höhe | Pauschal 5.000–15.000 € | Individuell 3.000–50.000 €+ |
| Beweis | Verwandtschaft + Tod | + Diagnose + Kausalität |
→ Beide Ansprüche sind kumulierbar — ein Hinterbliebener mit eigener PTBS kann sowohl Hinterbliebenengeld (~10.000 €) als auch Schockschaden (~15.000–25.000 €) geltend machen.
Was du jetzt machst — konkret
💡 Die wichtigste Regel
Hinterbliebenengeld ist pauschal — Anspruch besteht automatisch bei naher Angehörigen-Beziehung und tödlichem Verkehrsunfall. Keine Diagnose erforderlich.
🛠 Drei Schritte
1. Verwandtschaftsverhältnis dokumentieren Standesamts-Urkunden, Familienbuch.
2. Anspruch geltend machen Schriftlich beim Versicherer — auch wenn parallel andere Ansprüche laufen.
3. Schockschaden parallel prüfen Bei eigener psychischer Erkrankung zusätzlich Schockschaden — beide Ansprüche kumulierbar.
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Hinterbliebenengeld? Pauschale Gerichts-Spanne 5.000–15.000 € pro nahem Angehörigen. Bei besonderer Konstellation (Tod eines Kindes, junge Familie) auch höher.
Was ist der Unterschied zum Schockschaden? Hinterbliebenengeld ist pauschal ohne medizinische Diagnose. Schockschaden setzt eine eigene psychische Erkrankung mit Krankheitswert voraus — und ist individuell höher zu bemessen.
Bekomme ich beide Ansprüche? Ja, sie sind kumulierbar — Hinterbliebenengeld pauschal + Schockschaden individuell.
Wer hat Anspruch? Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, Eltern, Kinder. In Einzelfällen erweitert auf Geschwister, Verlobte, langjährige Lebensgefährten.
Was zählt als „naher Angehöriger"? Familien-rechtliche und faktische Nähe der Beziehung. Eheliche oder elterliche Beziehung ist Standard, andere Konstellationen im Einzelfall.
Was, wenn der Tod erst später eintritt? Hinterbliebenengeld besteht nur bei tödlichem Verlauf. Bei schwerer dauerhafter Beeinträchtigung des Angehörigen ohne Tod nicht — aber Schockschaden kann greifen.
Verwandte Begriffe
- Schockschaden rechtlich — daneben anwendbar
- Unterhaltsschaden — bei Wegfall des Versorgers
- Beerdigungskosten — daneben erstattbar
- Erben-Rechtsnachfolger — Anspruchsweiter-Übergang
Wenn du nicht weiter weißt
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Quellen
- BGB § 844 Abs. 3 — gesetze-im-internet.de/bgb/__844.html
- Gesetz zur Einführung eines Hinterbliebenengeldes (2017)
- BGH-Rechtsprechung zur Höhe des Hinterbliebenengeldes
- Hacks/Wellner Schmerzensgeldtabelle
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